 ##  [Tight-Binding-Modell](/de/node/51266) 

 Definition

Ein Gitter-Hamilton-Model, das Elektronen (oder andere Quasiteilchen) als in lokalisierten, atomähnlichen Orbitalen auf Gitterplätzen befindlich darstellt, wobei die kinetische Kopplung durch Hopping-Elemente zwischen Plätzen beschrieben wird; dient dazu, Bandstrukturen aus Ortsüberlappungen statt aus ebene Wellenkinetik herzuleiten.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Ausgehend von einer Basis lokalisierter Orbitale wird ein Tight-Binding-Hamiltonian H = Σ_i ε_i c_i† c_i + Σ_{ij} t_{ij} c_i† c_j aufgebaut, wobei Wechselwirkungen auf dominante On-Site-Energien ε_i und eine endliche Menge von Hopping-Amplituden t_{ij} abgeschnitten werden; die Banddispersion entsteht aus der Fourier-Transformation des Hopping-Netzwerks.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Für eine eindimensionale Kette mit einem Orbital pro Gitterplatz und nur nächstnachbarlichem Hopping t ergibt sich E(k)=ε−2t cos(ka), eine Kosinus-Dispersion mit Bandbreite 4|t|; dieses einfache Beispiel zeigt, wie lokale Hoppings in delokalisierte Bloch-Bänder übergehen.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Das Tight-Binding-Modell anzuwenden, ohne zu prüfen, ob die Orbitale hinreichend lokalisiert sind oder ob vernachlässigte langreichweitige Hoppings und Überlappungsintegrale klein sind; beispielsweise ein reines nearest-neighbor-Modell für ein Material mit bedeutsamen weiterreichenden Kopplungen führt zu fehlerhaften Bändern und falschen Vorhersagen von Bandlücken und effektiven Massen.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Ist das Modell anwendbar, liefert es kompakte Parametrisierungen der Bandstruktur, eine anschauliche reelle Ortsdarstellung durch Hopping-Wege, handhabbare Rechnungen von Zustandsdichte und Transport sowie eine natürliche Verbindung zu Wannier-Funktionen und orbitalaufgelösten Eigenschaften.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Das fast-freie-Elektron- oder Ebene-Wellen-Bild kehrt die Annahme um: Man beginnt mit delokalisierten Ebenenwellen und behandelt das periodische Potential als Störung, sodass schwache Bragg-Streuung anstelle dominanter lokaler Überlappungen entsteht.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Geeignet für kristalline oder quasiperiodische Systeme, in denen eine lokalisierte Orbitalbasis sinnvoll ist und elektronische Korrelationen sowie freielektronenartige Kontinua nicht dominieren; ungeeignet für stark delokalisierte Bänder, starke Unordnung ohne klares Gitter oder für Bereiche, die explizite Vielteilchenkorrelationen jenseits einzelteilchen-Hoppings erfordern.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Steht im Wettbewerb mit dem fast-freien-Elektron-Modell und effektiven Massen-Beschreibungen: Tight-Binding betont die atomare Lokalität und Hopping-Parameter, Alternativen betonen kinetische Energie und langwellige Approximationen; die Auswahl hängt von Lokalisationsskala und Energiebereich ab.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Das Tight-Binding-Modell ist die Gittersystem-Konstruktion auf Basis lokalisierter Orbitale, die endliche Hopping-Amplituden in Bloch-Bänder überführt und eine minimale, physikalisch anschauliche Parametrisierung der elektronischen Struktur darstellt, die atomare und Bandaspekte verbindet.