Definition
Eine Menge orthonormaler, räumlich lokalisierter Funktionen auf einem Kristallgitter, erhalten durch eine unitäre (Gauge-)Transformation von Bloch-Eigenzuständen; Wannier-Funktionen bilden eine vollständige Basis für die besetzten (oder spezifizierten) Bänder und dienen zur Darstellung elektronischer Zustände im Realraum.

Prinzip

Prinzip
Man führt eine k‑raum-zu‑Realraum-Fourier-Transformation der Bloch-Funktionen mit einer geeigneten Wahl von Phasen (Gauge) und interbandärem Mischen durch, um lokalisierte Orbitale w_n(R)= (1/√N) Σ_k e^{-ik·R} Σ_m U_{mn}(k) ψ_{m,k} zu erhalten, wobei U(k) unitär ist und zur Optimierung der Lokalisation gewählt werden kann.

Demonstration

Demonstration
Für ein isoliertes, nichtentartetes Band in einem Isolator lassen sich die Phasen so wählen, dass die Wannier-Funktion exponentiell um einen Gitterplatz lokalisiert ist; solche Wannier-Funktionen dienen als lokalisierte Orbitale zur Extraktion von Tight-Binding-Parametern und zur Berechnung von Dipolmomenten und Polarisation.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Annahme einer eindeutigen Menge von Wannier-Funktionen ohne Beachtung der Gauge-Freiheit oder die naive Konstruktion von Wannier-Funktionen für verschränkte Bänder ohne Disentanglement-Verfahren erzeugt nicht lokalisierte oder physikalisch irreführende Orbitale.

Konsequenz

Konsequenz
Wannier-Funktionen liefern eine kompakte, lokalisierte Basis zum Aufbau von Tight-Binding-Hamiltonianen, zur Berechnung lokaler Observablen (Ladungszentren, Orbitalkarakter) und zur systematischen Reduktion ab initio-Hamiltonianen auf Modelle mit wenigen Orbitalen.

Umkehrung

Umkehrung
Bloch-Funktionen stellen die komplementäre Sichtweise dar: Sie sind im Impulsraum lokalisierte Eigenzustände, über den Kristall delokalisiert, und die natürliche Basis zur Beschreibung von ausgedehntem Wellenverhalten und Bandgeschwindigkeiten.

Abgrenzung

Abgrenzung
Definiert für periodische Systeme, in denen Bloch-Zustände existieren; die Lokalisationseigenschaften hängen von der Bandtopologie ab (z. B. können topologisch nichttriviale Bänder exponentiell lokalisierte Wannier-Funktionen verhindern) und davon, ob Bänder isoliert oder verschränkt sind.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung besteht zwischen Wannier-Funktionen und atomaren Orbitalen oder trialen lokalisierten Basen: Wannier werden aus Bloch-Zuständen konstruiert und sind nur bis auf unitäre Gauge-Transformationen eindeutig, während atomare Orbitale chemisch motiviert sind und ohne Projektion nicht zwangsläufig dasselbe Unterraum aufspannen.

Synthese

Synthese
Wannier-Funktionen sind die realraumlokalen, gauge‑abhängigen, aber praktisch nützlichen Orbitale, die durch unitäre Transformationen von Bloch‑Bändern erzeugt werden und die Brücke zwischen delokalisierten Bandbeschreibungen und lokalen Tight‑Binding‑ oder Orbitalbildern bilden.